Zur Dialektik der Anerkennung von Identität

Francis Fukuyama zur Frage der Anerkennung von Identität,
zwei interessante Interviews:

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Warum ich optimistisch bleibe

Drei Gefahren bedrohen gegenwärtig den Prozess der Zivilisation. Totalitärer Autokratismus, fanatischer Fundamentalismus und neoliberaler Marktradikalismus. Zeit für eine persönliche Positionsbestimmung, die Hoffnung lebendig hält. 

Gute Gemeinschaften sorgen für ein solidarisches Aushandeln individueller und gemeinschaftlicher Entwicklungsräume. In diesem Prozess – der Begrenzung und Austausch sozial, kulturell, politisch und ökonomisch reguliert -, soll die Würde des Menschen soweit wie möglich unantastbar bleiben

Diese Idee bildet den Kern der Zivilisationsentwicklung. Der Prozess der Zivilisation und der psychischen Evolution des homo sapiens brachte eine Fülle sozialer, kultureller, politischer, juristischer und ökonomischer Praktiken hervor, die sich auf diese Idee beziehen. Darin zeigt sich eine grundlegende Fähigkeit unserer Spezies, die uns von Tieren und Maschinen fundamental unterscheidet. Im Verlauf der Evolution erfanden Menschen immer komplexere Formen des Miteinanders, der Kooperation und emotionalen Abstimmung – wir haben tatsächlich gelernt, unsere Beziehungen schöpferisch zu gestalten, zu uns selbst, untereinander und zur Umgebung. Diese Fähigkeit nenne ich Kreativität 2. Ordnung.   

Das bedeutet nichts weniger, als dass wir die Möglichkeitsräume, in denen wir uns bewegen und entwickeln können, gemeinsam mit anderen erfinden. Diese Erkenntnis erschreckt und tröstet zugleich. Ja, die Welt ist so, wie wir sie gemeinsam hervorbringen, und nein, sie muss nicht so bleiben, wir können sie anders erfinden und gestalten. In dieser Überzeugung wurzelt meine Hoffnung.

Wie alle Entwicklungen verläuft der Prozess der Zivilisation keineswegs geradlinig, eindeutig, unwidersprochen oder unumkehrbar. Er verläuft sehr allmählich, voller Windungen und Wendungen, regional ungleichzeitig, und er wird immer wieder massiv bedroht[1]– und doch zeigt er sich zu allen Zeiten, in allen Kulturen und an allen Orten! Er bleibt lebendig in der Sehnsucht der Menschen – unabhängig von geschlechtlicher Orientierung, kultureller Prägung, ethnischer Zugehörigkeit oder Weltanschauung. 

Aufgeklärter Humanismus

Als Person bin ich – das macht den Kern meiner Identität aus – tief überzeugt und geprägt von den Werten eines aufgeklärten Humanismus, der sich sowohlauf das einzelne Individuum als auchauf die Gemeinschaft bezieht.

 Das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft bleibt ein Spannungsfeld. Die Idee, mit der ich mich in diesem Spannungsfeld bewege: Kein Mensch, keine Gemeinschaft soll einen anderen Menschen oder eine andere Gemeinschaft in seiner/ihrer Würde verletzen, ausbeuten oder unterdrücken. Weit entfernt von der Verwirklichung dieser Idee besteht ein aufgeklärter Humanismus[2]dennoch auf einem Ideal mit universellemAnspruch. Dieses Ideal drückt sich aus in der Erklärung der allgemeinen Menschrechtedurch die UN 1948 in New York. 

Praktisch konkretisiert sich der aufgeklärte Humanismus – mit allen Unzulänglichkeiten und Schwächen demokratischer Systeme – in demokratischen Verfassungen und Institutionen. Dabei bilden Freie Wahlen, Gewaltenteilung, Meinungsfreiheit, unabhängige Justiz, freie Medien und Zivilgesellschaft[3]eine Einheit. 

Lebendig und überlebensfähig bleiben demokratische Systeme dann, wenn sie von Zivilgesellschaften getragen werden, die in weitgehend offenen und freien Diskursen diskutieren und schließlich aushandeln, was denn Freiheit und Gerechtigkeit, Solidarität und Mitgefühl in verschiedenen Situationen und gesellschaftlichen Bereichen[4]heute und morgen bedeuten könnte.

Alles weitere ist Pragmatismus.




[1]Vor allem durch absolutistische Glaubenssysteme und totalitäre Ideologien. Die Katastrophen und Zivilisationsbrüche des 20ten Jahrhunderts waren nicht die ersten und werden nicht die letzen in der Geschichte der Menschheit  gewesen sein. 

[2]Im Sinne Hannah Arendts

[3]Zivilgesellschaft: Damit ist die politische Beteiligung aller Bürger gemeint, eine weitgehend gleichberechtigte Beteiligung, die das Zugehörigkeitsgefühl und Vertrauen in demokratische Systeme erst konstituiert und lebendig hält. Genau hier entfaltet der verbreitete elitäre Neoliberalismus gegenwärtig seine fatale Wirkung; er zersetzt die Vitalität (westlicher) Demokratien von Innen.  

[4]Wissenschaft, Politik, Kunst, Ökonomie, Kultur, Bildung, Basale menschliche Beziehungssysteme.

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Gedanken zum Jahreswechsel

Im Jahr 2018 feierte ein berühmter deutscher Philosoph seinen 200ten Geburtstag. Karl Marx, der Seher, sah die Verhängnisse und Verwerfungen einer Welt voraus, in der buchstäblich Alles, auch Intimes, zur Ware wird – gleichzeitig entwarf Marx, der Visionär, eine humanistische Utopie, die, real in Politik umgesetzt, eine enorme zerstörerische Kraft entfaltete. Alle Versuche, die Idee des Kommunismus zu verwirklichen, endeten, immer und überall, in einem Desaster aus Macht, Kampf, Gewalt und Grausamkeit. Dialektik des Philosophierens. Dialektik der Aufklärung.

Vielleicht sollten wir daran denken, wenn es nun bald, in der tiefen Krise einer Zivilisation, die auf Expansion und Eroberung ausgerichtet ist, um alternative zivilisatorische, politische und gesellschaftliche Entwürfe geht.

Amerika gespalten, Europa zerstritten, China autokratisch zusammengeschweißt. Im chinesischen Traum von der Weltherrschaft verbinden sich Leninismus- Marxismus- Konfuzionismus- Nationalismus und wilder Kapitalismus zu einer digital gestützten, totalitären Diktatur neuen Typs. Es läuft gerade nicht so gut.

Wir werden lernen müssen, trotzdem unsere kleinen Träume zu leben.

Weißt Du, sagt der fünfjährige Mikkel, er und seine Oma sind gerade auf dem Rückweg vom Bäcker, ich würde gerne den Donat gleich jetzt essen, aber, ich würde ihn auch gerne zu Hause essen, gemütlich, mit einer Tasse Milch. Das „Aber“ ist gerade groß in Mode bei Mikkel. Du kannst ja einen Teil jetzt essen, und einen Teil später, schlägt die Oma vor, und damit ist der Mikkel ganz zufrieden.

Irgendwo zwischen dem Ideal eines runden Donat und einem bereits gegessenen Donat liegt die Wahrheit.


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Zeit für Zwischenmenschlichkeit

Imagine we switch our mobiles off

Interaktion mit Bildschirmen frisst Zeit, bindet Aufmerksamkeit, zerstört Sinnlichkeit. Wie schaffen wir es, mit den modernen digitalen Suchtmitteln intelligent umzugehen? Wie schützen wir die ZeiTräume des Zwischenmenschlichen, oder erobern sie uns zurück? Wie bewahren wir Wertschätzung für das, was uns als Spezies auszeichnet und trägt: Umittelbare zwischenmenschliche Resonanz und Kommunikation?

Für 2019. Stell Dir vor, wir schalten unsere Handys aus. Das könnte der Beginn einer neuen Leidenschaft sein. Der Beginn einer weltweiten Bewegung zur Pflege der Zwischenmenschlichkeit.

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Träumen und Kämpfen

Géraldine Schwarz: „Wo wäre ich ohne Erinnerung? Im Nichts oder in der Ewigkeit?“ | ZEITmagazin
— Weiterlesen www.google.de/amp/s/www.zeit.de/amp/zeit-magazin/2018/48/geraldine-schwarz-autorin-erinnerung-identitaet-traum

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Menschenrechte

„Unantastbar“ – sehenswerter Film über die Lage der Menschenrechte von Klaus Kleber am 4.12.18 im ZDF:

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/unantastbar-menschenrechte-100.html

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Wie das Böse herrschen kann

Das Muster, der Plot, ist immer gleich, und bekannt aus Mafia- Filmen. Mach jemanden zum Täter, Mittäter, oder nur zum schweigenden Zeugen einer verbotenen Tat. Danach ist er, oder sie Teil der Gemeinschaft. Mitschuld und Angst sorgen für Loyalität und ersticken jeden inneren Widerstand.

Die Bösen können herrschen, indem wir uns in ihre Taten einbinden lassen.

Wie das im größeren Maßstab funktioniert, beschreibt Götz Ally eindrücklich in seiner Dankesrede zur Verleihung des Geschwister Scholl Preises:

sz.de/1.4217510

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Kunst ist skeptisch

Schon immer und 

überall hat sich die Zensur gegen kritische und skeptische Intellektuelle und Künstler gerichtet. Auf den Scheiterhaufen der Zensur brennt Weltliteratur.

Anti-Intellektualismus ist ein fester Bestandteil des Antisemitismus. Seit einiger Zeit nun versucht die aktuelle israelische Kulturministerin Miri Regev in Israel chinesische „Loyalitätsverhältnisse“ per Gesetz zu erzwingen. Dagegen regt sich massiver Widerstand. 3500 israelische Künstler und Intellektuelle haben eine starke und mutige Petition unterschrieben.

Hier die Übersetzung der Petition: Weiterlesen

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Ein besseres Leben ist möglich

Das macht Mut. Genial. Micheal Moore dokumentiert die Kraft der Vernunft:

www.arte.tv/de/videos/069857-000-A/where-to-invade-next/

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Wohin geht die Demokratie?

Der Philosoph Rainer Forst denkt über die Zukunft der Demokratie nach: www.zeit.de/2018/46/demokratie-gerechtigkeit-neofeudalismus-rechtspopulismus

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