„Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Unter diesem Titel spielten Uli Beckerhoff & friends am 20. November, 7 Tage nach dem 13. Novumber von Paris, in der Kulturkirche St. Stefanie für die Stiftung REFUGIO zugunsten traumarisierter Flüchtlinge

„Erlauben Sie mir ein paar Worte, bevor die Musik beginnt. Es wird jetzt viel über Sicherheitsfragen nachgedacht. Das ist notwendig. Es ist wichtig dass wir uns in diesen Zeiten, in denen wir angegriffen werden, kämpferisch zeigen.

Es wird auch viel über Werte diskutiert. Das ist gut. Denn bei all dem, was jetzt passiert, sollten wir nicht vergessen, dass westliche Regierungen und Politiker über Jahrzehnte im nahen und mittleren Osten immer wieder massiv gegen unsere Werte und Regeln verstoßen haben. Vielleicht ist das nicht der entscheidende, sicher aber ein wesentlicher Grund dafür, warum diese Region heute brennt. Ich möchte mich für die Missachtung unserer Werte bei den Menschen, die in dieser Region leben und heute vielleicht zu uns flüchten müssen, entschuldigen.

Was können wir in der jetzigen Situation tun?

Ich glaube, wir sind gut beraten, wenn wir jetzt versuchen, unsere Grundwerte zu leben. Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Und natürlich müssen wir uns alle an die Regeln halten, wir und die Menschen die zu uns kommen. Vor allem aber müssen wir, mehr als bisher, darauf bestehen, dass diejenigen, die uns führen, die Regeln einhalten und respektieren. Giovanni die Lorenzo hat recht: „Sind die Zeiten besonders aufwühlend, müssen die Regeln umso konsequenter durchgesetzt werden“.

Die europäischen Werte und die Verfassung unserer Republik sind ja nicht das Ergebnis irgendeines Spaziergangs oder einer Schrecksekunde. Sie sind keine Illusion. Unsere Werte und Ideale, die Regeln nach denen wir in aller Unterschiedlichkeit friedlich zusammenleben, sind, wie der Journalist Bernd Ulrich schreibt, „das Produkt jahrhundertelangen Kämpfens, Nachdenkens, Probierens und Verwerfens“. Sie sind aus ungezählten weltanschaulichen Kriegen und humanitären Katastrophen hervorgegangen, bezahlt mit dem Blut, dem Schweiß und den Tränen vieler Generationen. Diese Regeln sind menschlich, weise und vernünftig. Wir brauchen keine neuen Regeln, wir müssen nur die Regeln einhalten und durchsetzen!

Wenn wir die Menschen, die Heute zu uns flüchten, offen empfangen und anständig behandeln, wenn wir alles tun um ihre und unsere eigene Würde zu wahren, so sehr uns das auch an unsere Grenzen führen mag, dann ist das nicht nur menschlich und gut, es ist auch klug. Es wäre fatal, wenn sich die freundliche Willkommenskultur, die uns sympathisch macht, in eine Kultur der Abschreckung verwandeln würde. Wir würden nicht nur uns selbst verraten, sondern den Despoten, Diktatoren und Terroristen dieser Welt direkt in die Hände spielen.

Wenn also die Kolleginnen und Kollegen bei REFUGIO traumatisierten Flüchtlingen einen Schutzraum für die Seele bieten, und wenn die Musiker heute Abend dafür spielen, dass sie das tun können, dann ist das nicht nur human, es ist nicht nur eine schöne Geste, es ist ein ganz wichtiger Beitrag zu unserer Sicherheit.

Vielleicht macht uns ein Ton sicherer als irgendeine Kugel das je könnte.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Musik. (J.B.)

 

Über Felix Bird

Mehr über den Autor oben auf der Website: Felix Bird – Experiment November Journal, ein Selbstversuch
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