Ach, Panama.

images-1 Ach, Panama, sagte der kleine Tiger und blickte von seiner Zeitung auf.

 Wieso, was ist mit unserem Panama, fragte der kleine Bär.

Die dunkle Seite des Geldes tummelt sich in Panama, moderne Raubritter, üble Banditen, gewissenlose Dealer, grausame Despoten, Geizhälse, die den Hals nicht voll kriegen können…

Hier bei uns? Der kleine Bär machte große Augen, wir sind hier doch in Panama, dem Land unserer Träume fügte er hinzu.

Sie saßen, wie so oft, entspannt im Halbschatten auf der Veranda ihrer kleinen Traumhütte, der Bach murmelte, in der Sonne glänzend, vorbei, und die Blätter der Sträucher und Bäume rund ums Haus raschelten ohne Hast.

Klar sind wir in Panama, denn Panama ist überall, sagte der kleine Tiger.

Und wo sind dann bitte die ganzen Desperados, sagte der kleine Bär und schaute mit theatralisch ausgebreiteten Armen in die Runde, Drogenbarone, Bänker und Anwälte, Spitzenmanager und Oligarchen, Kleptokraten und Diktatoren, die schwarze und die weiße Maffia – keiner hier!

Wir leben den Traum dieser Leute, sagte der kleine Tiger und sah dabei dem kleinen Bär tief in die Augen, weiter oben, den Fluß hinauf, wo die Villen stehen, oder flußabwärts, hinter dieser kleinen Biegung, wo die Städte beginnen, leben sie in einer anderen Realität. Der Realität des Geldes. Wir leben die Träume dieser Leute. Wir leben das schöne Panama.

Das verstehe ich nicht, sagte der kleine Bär, wieso leben sie ihre Träume nicht sebst? 

Sie glauben, sagte der kleine Tiger, dass sie nur durch diese häßlichen Taten ihre Träume verwirklichen können.

Wie dumm, entfuhr es dem kleinen Bär. Jedes Kind wußte doch, dass aus bösen Taten nichts Gutes wird.

Manchmal sind die Oberschlauen besonders doof, sagte der kleine Tiger, aber weil sie nun mal an diesem schrecklichen Irrtum kleben, leben sie in einer häßlichen Welt. Und in einer häßlichen Welt kann niemand seine guten Träume leben. Es gibt kein schönes Panama im Häßlichen. Irgendwann hören diese Leute sogar auf zu träumen. (Es könnte sein, dachte der kleine Tiger, dass wir, ich und der kleine Bär, dieser Traumlosigkeit unsere Existenz verdanken. Wir, Kinder und Künstler, erinnern desillusionierte Erwachsene an Träume, die sie für naiv und unrealistisch halten. Ohne den großen Irrtum gäbe es uns vielleicht gar nicht? Aber das dachte er nur so für sich, weil er den kleinen Bären nicht noch zusätzlich verwirren wollte.)

Aber wir beide leben doch ein wunderbares Leben, entgegnete der kleine Bär entrüstet, und ich finde Panama, er kämpfte mit einer Träne, denn das Thema wühlte ihn wirklich auf, ist wunderschön!

Ein Zitronenfalter setzte sich auf die runde Nasenspitze des kleinen Bärs und blieb dort eine Weile, bis er ihn mit einer zärtlichen Handbewegung verscheuchte. Wir schlafen aus, gehen fischen, dösen und dödeln etwas rum, kochen, sitzen gemütlich auf dem Sofa, gehen früh schlafen und träumen vom Fliegen und vom Honig, dachte er, daran ist nichts spektakulär – und doch ist es das beste Leben, das ich mir vorstellen kann. Wo ist das Problem?

Das Besondere ist, sagte der kleine Tiger, als hätte er die Gedanken des kleinen Bären erraten, dass wir zufrieden sind mit dem, was wir machen und uns so mögen wie wir sind. Mehr müssen wir nicht haben. 

Dem kleinen Bären brummte der Kopf von dem ganzen Gerede. Das ging ihm manchmal so, wenn der kleine Tiger ihn wieder mal schwindlig sprach. Die Zeitung abbestellen und wieder auf reisen gehen, dachte er, das wärs. Aber er verspürte überhaupt keine Lust, das jetzt zu besprechen. Laß uns fischen gehen, sagte er.

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Über Felix Bird

Mehr über den Autor oben auf der Website: Felix Bird – Experiment November Journal, ein Selbstversuch
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