Die Zerstörung von Entwicklungsräumen und das große Unbehagen

Ohne angemessene Entwicklungsräume können Menschen nicht existieren

Freie Märkte sorgen, wenn man ihre Selbstreinigungskräfte nicht durch unnötige Regeln stört, für mehr Wohlstand, mehr Freiheit, mehr Gerechtigkeit und mehr sozialen Frieden! So verspricht es der Neoliberalismus, so predigen es die Eliten. Das Gegenteil ist der Fall. In weiten Bereichen der Gesellschaft ist das Ergebnis ein Desaster. In Verbindung mit der pausenlosen Propaganda erleben die Menschen dieses „System“ als Hohn. Die neoliberal getriebenen Eliten treiben die Menschen durch die Konsequenzen ihres Tuns in die Arme der Populisten.

Das große Unbehagen 

Natürlich ist der Neoliberalismus nicht allein verantwortlich für alle Leiden und Übel dieser Welt. Doch er bestimmt als zentrale Kontextbedingung, als weltweit wirksame Ideologie, die aktuelle Dynamik der Zivilisation entscheidend. Und die Ökonomisierung aller Beziehungen und Lebensbereiche hat enorme „Nebenwirkungen“ und Schattenseiten.

Es sind nicht nur die gewaltigen Umweltschäden oder die katastrophalen finanziellen Tsunamis, Ungleichgewichte und Unwuchten, die durch die neoliberale Ideologie zumindest begünstigt werden. Dieser Kapitalismus tötet, sagt Pabst Franziskus. Er schlägt die Menschen in die Flucht und lässt sie ertrinken. Nicht nur im Meer sondern auch in ihrer persönlichen Frustration. Der pure Ökonomismus erzeugt und hinterlässt vor allem eine breite Spur der Verwüstung in den Beziehungen der Menschen untereinander und in ihren Seelen. Eine zivilisatorische Katastrophe mit nachhaltiger Wirkung. Das Vertrauen schwindet und die Werte verfallen. In allen Kontinenten und allen Ländern, in allen Gesellschaften und in allen Schichten.

Der Kapitalismus schaltet den Turbo ein: Verdichtung von Arbeit, ständiger Wandel, permanenter Konkurrenzdruck von der Wiege bis zur Bahre, verbreitete Unsicherheit, was Morgen sein wird, das Gefühl, die Dinge nicht zu überblicken, Angst vorm Versagen, Angst vor dem Abstieg, der Verlust von Heimat in der Heimat, der Verlust von Heimat, Wanderarbeiten, Entsolidarisierung, Zunahme von Rüpelhaftigkeit und Gewaltbereitschaft, Zynismus, und eine grassierende schlechte Laune (Depressionen) angesichts einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint. Verlust von Bindung, Respekt, Vertrauen und Hoffnung. Dystrophe Phantasien.

Gespaltenes Lebensgefühl

Die Menschen fühlen sich in der Globalisierung nicht wohl. Ja es gibt Ersatzhandlungen und Ersatzerlösungen. Konsum, POP, Drogen, Medien, Sport, Wellness, Therapie. Aber die wirken nicht nachhaltig. Viele sind nicht glücklich, obwohl sie ständig darauf hingewiesen werden, dass sie es doch eigentlich sind oder sein sollten. Denn auch das gehört zur neoliberalen Ideologie: jeder ist seines Glückes Schmied allein. Mach was aus dir, dann wirst du glücklich sein. Oder umgekehrt, sei glücklich, dann wird was aus dir!

Ein seltsam gespaltenes Lebensgefühl breitet sich aus. Auf den Bühnen, vordergründig, stellen die Akteure sich eitler und massenhafter als jemals zuvor zur Schau (wie viel Spaß sie haben und wie toll sie sind, z.B. auf Facebook) – backstage, hintergründig, fühlen sich sehr viele diffus unwohl, erschöpft, unglücklich, unsicher, ängstlich, abgehängt, orientierungslos, betrogen, ohnmächtig, frustriert und wütend. Und das sind eben nicht nur die abgehängten „Vergessenen“ in Wisconsin oder Sachsen!

Über Felix Bird

Mehr über den Autor oben auf der Website: Felix Bird – Experiment November Journal, ein Selbstversuch
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Eine Antwort zu Die Zerstörung von Entwicklungsräumen und das große Unbehagen

  1. Bauer schreibt:

    .. dem ist nichts hinzuzufügen- ausser der fehlenden Antwort darauf, die wiederum vielfältig sein muss und doch eine gemeinsame Richtung braucht..

    Gefällt mir

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